Was Essen mit unserer Gesundheit zu tun hat und welche Rolle der Darm dabei spielt
- 7. Mai 2024
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 18. Mai 2024
Schon mal von dem Sprichwort „Man ist, was man isst“ gehört? Wie bei den meisten Sprichwörtern steckt auch hier ein Fünkchen Wahrheit dahinter. Denn was wir unserem Körper über die Nahrung zuführen, entscheidet darüber, wie fit unser Immunsystem ist, ob wir zu Über- oder Untergewicht neigen und kann sogar unsere Persönlichkeit prägen.
Der menschliche Körper ist ein Ökosystem, nur wenn das Ökosystem intakt ist, läuft alles wie am Schnürchen. Sobald aber ein Teil aus dem Gleichgewicht gerät, zum Beispiel die Darmflora mit ihren Bakterien, geht es bergab. Denn in unserem Darm befinden sich 99 Prozent aller Mikroorganismen, die auf und im Menschen leben. Studien haben gezeigt, dass sich Krankheiten wie Unter- oder Übergewicht, aber auch Depressionen oder chronische Darmerkrankungen in unterschiedlichen Bakterienkonstellationen manifestieren. Giulia Enders hat den Begriff der „Moppelbakterien“ geprägt, die „etwas übermütig“ dafür sorgen, dass ihr unglücklicher Wirt schneller dick wird.

Die Mikroben in unserem Darm können uns gesund oder krank machen und entscheiden auch darüber, wie leistungsfähig unser Körper und unser Gehirn sind. Doch wie genau können wir beeinflussen, welche Darmbakterien sich in unserem Darm ansiedeln? Bei Fleischessern und Vegetariern zum Beispiel unterscheiden sich die Bakterienfamilien, die einen großen Teil der Darmflora ausmachen. Je nach Art produzieren diese unterschiedliche Vitamine und Vitalstoffe und sind dadurch an unserem Stoffwechsel beteiligt. Etwa 10% der Nahrung, die wir zu uns nehmen, stammt von unseren Bakterien. Haben wir "Moppelbakterien", nehmen wir zu, obwohl wir das Gleiche essen wie alle anderen, aber unsere Bakterien arbeiten effizienter und verschenken kein Gramm Energie.
Wusstest Du, dass Kohlenhydrate nicht gleich Kohlenhydrate sind? Pflanzliche Kohlenhydrate, wie sie in Bananen oder Nüssen enthalten sind, werden schonender verarbeitet als tierische oder stark verarbeitete Kohlenhydrate und stehen dem Körper daher anders als Energie zur Verfügung. Oder anders formuliert: Wenn man Lust auf Schokolade hat, möchte der Körper eigentlich lieber eine Banane oder eine Handvoll Nüsse essen. Werden die eher ungünstigen Bakterienkombinationen mit sehr fettreicher Nahrung weiter gefüttert, entzündet sich der Körper leicht. Nicht so stark, dass wir wirklich krank werden, aber doch so stark, dass der Körper anfängt, Fettpolster für schlechte Zeiten anzulegen. Diese leichte Entzündung kann sich zum Beispiel auch auf die Schilddrüse ausbreiten, wodurch die Fettverbrennung gehemmt wird.
Studien haben inzwischen bewiesen, dass die Bakterien in unserem Darm unseren Appetit beeinflussen können. Das ist eine gute Nachricht, denn sie beweist, dass es weniger mit mangelnder Disziplin und Durchhaltevermögen zu tun hat als vielmehr mit Appetit und Sättigung, die vom Darm gesteuert werden. Je nachdem, wie die Darmflora eingestellt ist, was immer auch mit unserer genetischen Veranlagung zusammenhängt, und welche Signale an das Gehirn weitergeleitet werden, wird unser Essverhalten massiv beeinflusst - sowohl was wir essen als auch wie viel. Wir müssen uns also um eine gute Balance im Darm bemühen.
Probiotika und Präbiotika
Schon mal von Probiotika und Präbiotika gehört? Probiotika sind lebende Bakterien, die auch im Darm vorkommen (sollten). Diese Bakterien sind vor allem in fermentierten Lebensmitteln wie Sauerkraut, Käse, Sauerteig, Joghurt, Tempeh, Kefir usw. zu finden.
Gute Bakterien (Probiotika) können dazu beitragen, dass wir länger und besser leben, weil sie an der Nahrungsverwertung im Darm beteiligt sind. Probiotika wandeln unsere Nahrung in lebenswichtige Stoffe um und sorgen dafür, dass diese gut durch den Körper bis ins Gehirn transportiert werden. Dadurch beeinflussen sie die chemische Zusammensetzung unseres Gehirns, die wiederum die Funktionsweise unseres Gehirns und damit unsere Persönlichkeit bestimmt.
Und wie helfen wir dem Körper, die „richtigen“ Bakterien anzusiedeln? Indem wir ihn mit Präbiotika füttern. Präbiotika sind die Nahrung der guten Bakterien, wenn wir sie reichlich füttern, vermehren sie sich und übernehmen die Herrschaft im Darm. Stichwort: Ballaststoffe, die klingen zunächst etwas unangenehm und werden deshalb oft unterschätzt. Sie versorgen den Körper auch nicht direkt mit Nährstoffen, sondern füttern eben die guten Darmbakterien. Die guten Bakterien stärken unser Immunsystem, indem sie Vitamine und gesunde Fettsäuren produzieren. Rund 20 Gramm Ballaststoffe sollte ein Erwachsener täglich zu sich nehmen, was bei den meisten aber durch schnelles Essen wie Fast Food und Fertiggerichte nicht ganz hinkommt.
Präbiotika aus der Drogerie oder Apotheke können hier Abhilfe schaffen, wichtig für den Körper sind aber echte Ballaststoffe. Dazu gehören zum Beispiel Gemüse wie Spargel, Lauch, Zwiebeln, Knoblauch, Pastinaken, Topinambur, Schwarzwurzeln, Artischocken, Chicorée oder grüne Bananen, aber auch Vollkorngetreide, Roggen und Hafer. Ebenso gekochte und abgekühlte Kartoffeln oder Reis.
Unsere Darmbakterien werden stark von unserer Ernährung beeinflusst. Gute Bakterien tun dem Körper gut, unterstützen das Immunsystem, helfen Gewicht und Heißhunger zu regulieren und sorgen dafür, dass der Körper mit lebenswichtigen Vitaminen versorgt wird und Mineralstoffe aufnehmen kann, die sich langfristig auf unsere Gesundheit auswirken - zum Beispiel Kalzium und Knochengesundheit bzw. Osteoporose. Sie beeinflussen auch unsere Persönlichkeit und unsere psychische Gesundheit.
Präbiotika sind der Treibstoff für die guten Bakterien, die Probiotika. Wenn wir den vielen schlechten Bakterien in unserem Darm, die durch Fast Food und Zucker gezüchtet werden, eine Armee von guten Bakterien entgegensetzen und so für das richtige Gleichgewicht in unserem Körper sorgen, werden wir durch die schlechten Bakterien abgehärtet, während uns die guten Bakterien nähren und gesund halten.
Vgl. Enders, Giulia: Darm mit Charme. Alles über ein unterschätztes Organ. 28. Auflage. Berlin 2014.
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